JPT aktuell: Camera obscura
Ich habe leider keinen Fotoapparat zur Hand, denn das Bild, welches sich bei einem Blick aus den Bleiglasfenstern der Trierer Kirche bietet, ist es eigentlich wert, festgehalten zu werden. Irgendwie ist es, nun ja, drollig. Ich versuche nun, das Ganze wenigstens in eigenen Wort so gut wie nur möglich zu beschreiben.
Vor einiger Zeit fand hier ein Brandanschlag statt, der offensichtlich zu einer Serie internationaler und dubioser gegen die First Church of the Brimful Ashtray gerichteten Maßnahmen gezählt werden darf. Jetzt gerade, nachdem Besucher, Gläubige und Würdenträger über einen Monat lang dazu genötigt waren, ihre Karossen in einem von Ruß geschwärzten Betonwürfel abzustellen, werden endlich die lang ersehnten Reinigungsarbeiten durchgeführt.
So weit so gut. Der eingangs als drollig beschriebene Anblick ist nun dieser: Nicht etwa die arbeitenden Menschen - obwohl dies ebenfalls nicht einer gewissen Komik entbehrt; vorausgesetzt natürlich, man selbst gehört nicht dazu - sondern vielmehr die Zusammensetzung der Putzkolonne macht den Charme dieser Szenerie aus. Es treten dort nämlich ein Kaukasier und drei Negroide (ich verwende hier bewusst die anthropologischen Begriffe, um nicht noch zusätzliches Öl ins Feuer eines ohnehin seit Jahrhunderten andauernden Konfliktes um korrekte Termini zu gießen) vor eben jenem Bühnenbild aus Rauch und Asche auf und veranstalten mit ihren Putzgerätschaften einen großen Budenzauber. Nun ja nicht ganz, denn eigentlich ist es primär der Kaukasier, der den Besen schwingt. Seine drei Kollegen stehen in einigem Abstand, halbkreisförmig angeordnet um ihn herum und schauen zu.
Und genau dieses Bild hätte ich gerne - nicht unbedingt der Nachwelt, aber zumindest den Lesern dieses Blogs - konserviert, um hier im Kommentarbereich in den Genuss einiger der zahlreichen Interpretationsmöglichkeiten zu kommen.


1 geistreiche Bemerkungen:
Ich zitiere aus Federico García Lorcas Erläuterungen zu "Ein Dichter in New York":
"Ein andernmal sah ich ein kleines schwarzes Mädchen auf einem Fahrrad. Was gibt es Rührenderes? Die dunkel gebeizten Beine, die kalten Zähne auf dem matt glimmenden Rosa ihrer Lippen und auf dem Kopf ein Knäuel wolliger Haare. Ich schaute sie unverwandt an - und sie blickte zurück. Doch mein Blick sagte: 'Kleines Mädchen, warum fährst du Fahrrad? Kann ein schwarzes Mädchen wirklich aud so einem Apparat fahren? Gehört es dir? wo hast du es gestohlen? Glaubst du denn, du kannst es lenken?' Und in der Tat schlug sie einen Purzelbaum und fiel, ein Bündel Beine und Räder, einen sanften Abhang hinunter."
"[...]und auch wenn das manchem nicht paßt, sie sind spiritueller und zarter als irgend etwas in jener Welt. Denn sie glauben, sie hoffen, sie singen und sie besitzen eine köstliche, religiöse Faulheit, die sie vor der ganzen gefährlichen Plackerei rettet, der sie heute ausgesetzt sind."
Ich mag die Tendenz der Neger, Dinge so zu lassen, wie sie sind.
Blöd nur der eher nervöse Kaukasier-Kollege, der die ganze Truppe vor dem Rausschmiß bewahrt und dann zuhause keine Kraft mehr hat zum Aufräumen. Dem Himmel sei Dank, besitzt auch Pete Rubinsky ein klitzekleines Flöckchen der göttlichen Faulheit.
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