Pflichtübung, 30 min. Deutsche Sprache
Knapp einen Monat nach einem letzten, recht dämlichen Beitrag und einigen zwischen altklug und ignorant oszillierenden Kommentaren in der Zwischenzeit wieder mal etwas Substantielles zu posten, erscheint mir überraschend schwierig. Die zunehmende Bedeutungslosigkeit meiner herkömmlichen medialen Ansatzpunkte mag noch eine Ausrede sein, Weihnachtsstreß im Handelsgeschäft ist hingegen erst frisch im Effekt, und mein starker Wunsch, Koe nicht noch mehr anzupissen, bedarf gründlicher Neubewertung, da wohl bezweifelt werden darf, dass solche Art von Rücksichtnahme seinem eigenen emotionalen Arsenal nicht völlig abgeht.
Aber dann brachte mir eine *Pflanzenkölle*Bekannte in schwerwiegender Verwirrung ein ausgeliehenes Buch zurück, das eben Du, Koe, mir zu lesen aufgetragen hattest, nämlich Sartres „Ekel“. Tapfer hatte sich die junge Frau durch all die existenzialistischen Grübeleien gekämpft, nur um festzustellen, wie sehr auch sie manchmal spontan Menschen für die Wahl der Krawattenfarbe hassen kann.
An dieser Stelle kam ich auf zwei Ideen für einen Beitrag: zwei Bücher zu rezensieren, die ich zulezt gelesen hatte, oder ein weiteres modisches Verbrechen von Turner&Rubinsky vorzeitig zu veröffentlichen.
Tja, schön war es damals, wo ein Buch wie „Lemprière's Wörterbuch“ einen jungen Rubinsky noch an die Grenzen seiner dauerbenebelten Synapsenwälder führen konnte. Heute tue ich mich allerdings schwer, einem Buch mehr Aufmerksamkeit zu schenken als dem Glas Scotch, das ich beim Lesen (und auch sonst dauernd) zu genießen pflege. Nicht dass ein flotter Roman wie Kehlmanns „Vermessung der Welt“ keine Qualitäten hätte, genug, um mich daran zu erinnern können es allerdings nicht gewesen sein. Einmal musste ich lachen, als Gauss mit dem Stock nach dem Fuß seines Sohnes stößt, verfehlt, erneut zielt und trifft. Hä, hä. Doch, jetzt, der Roman ist wirklich putzig, mit Herzblut geschrieben und zwei der größten deutschen Wissenschaftler sind zu liebevollen Clowns umfunktioniert worden. Next.
Simon Becketts „Chemie des Todes“ ist auch so ein drolliges Buch. Dankbar war ich hauptsächlich über den Umstand, dass ich für einen britischen Thriller einen amerikanischen „Hannibal“ weglegen konnte. Der charmante Kannibale war nämlich gerade drauf und dran, meine Wertschätzung U.S.- amerikanischer Autoren, die zwischen dem unsäglichen Gesülze eines Richard Powers und der Brillianz eines Jonathan Frantzen in der Schwebe lag, dauerhaft umzukippen – In den Canyon der lobotomierten Schreibspasten nämlich. Becketts Stil hingegen ist erträglich bis gut und das reicht für einen Thriller als Daseinsberechtigung allemal. Die Klasse von Natsuo Kirinos „Umarmung des Todes“ allerdings erreicht er nicht. Der ist einfach sprachlich dermaßen abgeklärt, dass der Wahnsinn körperlich spürbar wird. Oh, und Frantzens "27ste Stadt" ist ein ganzes Sternchen besser als "Die Korrekturen"
Puh, Gott sei dank irgendwas gepostet. Was? Ihr wollt die anstößige Mode? Ich habe gesagt „oder“. Nagut, aber nur ein Bild!


2 geistreiche Bemerkungen:
Da wirft dieser Rubinsky wie ein tollwütiger Reich-Ranicki mit Titeln um sich und bereitet mir beinahe ein schlechtes Gewissen, da Onettis eigentlich kurzes Leben in meinen Händen zu einer monumentalen Saga zu verkommen droht, und ich ansonsten lediglich noch mit Ionescos absurdem Theater dagegenhalten kann. Nun ja, so lange die Handelsbaltt-Schlagzeile "Amazon verickert - Rubikon geht an die Börse" ausbleibt, kann ich damit aber noch ganz gut leben.
Nun JPT, eths ithst doch nicht Deine ßchuld, wenn Du ein Buch überr urugayißche, und ßomit zwar nicht lobotomierrte aber thugekokthste Thsrrreibthpathsten wählthst, Du kannth eth nicht withthen, doch ich ßage Dirrr: diethe Dillettanten und $%&"§ thind &/$§" ßtümperr erthen Grrradeß und ßchund, ich ßage: ßchund itht eth, was sie verrfathen, waß kann man da von einer Biogrraffie über thie erwarrten?
Und trraue mir, alter Frreund: apthurrdeth Theater ithst tßu läthen iblicherrweithe viiel angenenähmer als in inßtzhenierrter Forrmm.
Dein Marcel Reich-Rubinsthßky
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